Freitag, 22. Mai 2009

Genossenschaftsmodelle erleben eine Renaissance

Der Wunsch in der Bevölkerung nach finanzieller Stabilität und Unabhängigkeit von globalen Finanzsystemen, der Ruf nach alternativen Wirtschaftsmodellen mit gerechter Entlohnung und sicheren Arbeitsplätzen wächst und immer mehr Menschen stellen sich die Frage ob Unternehmen in einer globalisierten Welt existieren nur können, wenn sie neoliberalen Prinzipien zu folgen? Die genossenschaftliche Unternehmensform bewährt sich in der Krise und erlebt derzeit eine Renaissance. Der Genossenschaftsverband Bayern gibt in einer aktuellen Pressemeldung bekannt, dass sich mit 29 Eintragungen in bayerischen Registergerichten der Vorjahreswert neu gegründeter Genossenschaften mehr als verdoppelt habe. (anklicken für Link)

Privatisierung der Autobahn zwischen Malsch und Offenburg

Privatisierte Autobahn: Gewinne auf Kosten von Mensch und Umwelt?

Im Mai 2009 fand die offizielle Übergabe der Konzession zum Betreibermodell Autobahn A5 Malsch-Offenburg statt.
Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte im Februar den Zuschlag an die „Via Solutions Südwest GmbH & Co. KG" erteilt. Die Konzession beinhaltet den 6-spurigen Ausbau der A5 im Abschnitt Baden-Baden / Offenburg sowie den Betrieb und die Instandhaltung der A5 zwischen Malsch und Offenburg über einen Zeitraum von 30 Jahren.

Montag, 20. April 2009

Ergebnisse des Vorbereitungstreffs zum Nemetischen Sommercamp 2009

Am 18. April 2009 trafen sich im Grünen Haus Zunsweier
insgesamt 12 Menschen zu einer Vorbesprechung für das
traditionelle Sommercamp in Bad Niederbronn im Elsaß.
(die Homepage dieses Events ist http://www.das-sommercamp.de/)

Teilnehmer
Anwesend waren Mitglieder der Gruppe KUNaO
(Konkrete Utopie Nemetien am Oberrhein),
Mitglieder vorjähriger Camp-Vorbereitungsteams,
Teilnehmer bisheriger Sommercamps, die nun mit in die
Vorbereitungs- und Leitungsverantwortung gehen
und neu hinzukommende Interessierte.
Das Sommercamp in Bad Niederbronn findet seit mehr als 10 Jahren statt und ist eng mit der Nemetischen Bewegung verbunden; es wurde u.a. von Initatoren der Nemetischen Bewegung ins Leben gerufen.
Anwesend waren: De,Ne,Chr,Ma,Goe,Mat,Je,Ja,Ha,Gi,Ra,Ba (insg. 12).

Bezeichnung als nemetisches Sommercamp
Das Sommercamp wird seit den Anfängen begleitet
von der Entwicklung der sieben nemetischen Leitgedanken.
Das Vorbereitungsteam 2009 wird diese Tatsache
auch in die Namensgebung des Camps einfliessen lassen.

Aufteilung und Gliederung des Campgeländes
Schon in den vorangegangenen Treffs kristallisierte sich die Idee einer Gliederung des Campgeländes in verschiedene Interessens-Gebiete heraus.
In der Tradition aus Erfahrung Neues zu kreieren und Bewährtes beizubehalten wird als Weiterentwicklung überlegt, wie beispielsweise Hundebesitzer, Eltern mit Kleinkindern, sportlich (Ball-)Aktive, nächtliche Feierseelen usw. insoweit räumlich gruppiert werden können, dass möglichst alle zu ihrem jeweiligen Recht (Geselligkeit versus Ruhe z.B.) kommen.
Dazu gibt es bereits relativ konkrete Planungen, die auch noch rechtzeitig vor Campbeginn ihren Abschluss finden werden.

Arbeitsbörse
In der vergangenen Jahren war die Organisierung der notwendigen Arbeiten häufig eine Herausforderung. Die "Morgenrunde" erwies sich mit zunehmendem Wachstum des Camps als zu schwerfällig.
Als Versammlung aller Menschen am Platz soll sie auf dem Camp 2009 unterschiedlicher gestaltet werden (statisch, dynamisch usw).
Die des weiteren entwickelte Idee basiert darauf, verschiedene Aspekte und Aufgabenstellungen der bisherigen Morgenrunde aufzuteilen, und zwar mindestens:
- Organisation und Verteilung notwendiger Arbeiten
- Präsentation und Vorstellung verschiedener kultureller Angebote

Die Organisierung und Verteilung notwendiger Arbeiten erfordern naturgemäß besondere Aufmerksamkeit.
"Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeiten", was bedeutet, dass erst die EIN-SICHT in die Notwendigkeiten,
und das Ihnen-Gerecht-Werden zur Freiheit und ihrer Entfaltung führt.
Konkret ist die Idee, eine oder mehrere Phasen bzw Zeitfenster auf dem Camp einzurichten, in denen gemeinsam notwendige Arbeiten (etwas Säubern, Essen kochen, sonstige Dienste) verrichtet werden.

Diese Einrichtung nennen wir nach einer Idee von Charles Fourier "Arbeitsbörse".
Auf der Arbeitsbörse werden anfallende notwendige
Arbeiten erfasst, (nach dem Prinzip der Freiwilligkeit) verteilt und - soweit möglich - auch sofort ausgeführt.
Die Arbeitsbörse wird von einem kleinen Team geleitet, das sowohl die Erfassung der Arbeiten als auch die Verteilung organisiert.
Hierbei soll das gemeinsame Bestreben sein, alle Arbeiten anziehend zu gestalten (Leitidee der anziehenden Arbeit).
Hierbei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Zeitliche Dispositionen auf dem Camp selbst
Das 2. Wochenende wird von jungen Menschen gestaltet.
Als Übergang ist ab Freitag abend eine Art Goa-Nacht in Planung, die vorwiegend von Erwachsenen konzipiert wird.
Am Abend des "Jugend"-Samstages soll eine Disco-Party statt finden, veranstaltet von inzwischen schon erwachsenen camp-erfahrenen jungen Menschen.
Teilnehmen kann wer Lust drauf hat.

Eingangstor
Es wird ein Eingangstor des Camps errichtet werden, das inhaltlich den Eintritt in das Sommercamp visualisieren wird.

Weitere Vorbereitung
Für das Pfingstwochenende ist ein weiteres Vorbereitungstreffen angedacht, und zwar vor Ort direkt.
Dort werden auch andere Gruppen mit eigenen Schwerpunkten anwesend sein, mit denen guter Kontakt gepflegt werden soll.

Talentgruppen
Als erste Talentgruppen wurden definiert
- um Pedro: Programmgestaltung des Camps
- um Mischa & Pedro: Einrichtung eines Separees
- um Barbara: Küchenorganisation, Bestellungen von Nahrungsmitteln
- um Jacqueline : Jugend, Spiel, Spass / Planungen dazu in ihrer Homepage s. Link in www.das-sommercamp.de
- um Mattanja: Jugendrichtlinien
- um Mischa und Christiane: Gestaltung eines Eingangstores zum Camp
- um Barbara und Christiane: Freiräume, Feinheiten
- um Marga: weitere Einteilung des Campgeländes, Aktualisierungen in www.das-sommercamp.de,
Camp-und VB-Koordination

Einiges an Camp-Bedarf wurde noch nicht angesprochen.

Protokollant: Mattanja
Ausformulierung und Ergänzungen: Nemetico, Deva und Marga. Weitere Ergänzungen können gemacht werden durch Mail an nemetico[at]nemetien.org

Mittwoch, 15. April 2009

Niederlande: Polyamory-Bewegung im Vormarsch

Tausende Niederländer wollen Vielehe durchsetzen
Sie unterzeichneten eine entsprechende Petition, die dem Parlament in Den Haag übergeben werden soll.
Die Kampagne für legale Mehrfach-Eheschließungen wurde von einer Gruppe von Künstlern um die "Polyamory"-Aktivistin Ageeth Veenemans ins Leben gerufen. Unter "Polyamory" werden Liebesbeziehungen zu gleichzeitig mehreren Menschen verstanden, die von alle Beteiligten gebilligt werden.
Die Initiatoren sind zuversichtlich, bis September die 40.000 Unterschriften zusammenzubekommen, die für die Einbringung einer Gesetzesinitiative im Parlament erforderlich sind. "Wir waren das erste Land, das die Homo-Ehe möglich gemacht hat, wir können auch die Vielehe legalisieren", erklärte die dreifache Mutter Veenemans, die neben ihrem Ehemann auch eine Beziehung mit einem zweiten Mann hat. Sie hatte die Diskussion über polygame Beziehungen in der niederländischen Gesellschaft vor zwei Jahren mit ihrem Buch "Ik hou van twee mannen" (Ich liebe zwei Männer) angefacht.
Quelle:
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/1907263/index.do

Samstag, 21. März 2009

Frühingsfest im Grünen Haus Zunsweier

Von 27.3. bis zum 29.3.2009 findet im Grünen Haus Zunsweier ein nemetisches Frühlingsfest statt.

Die Gestaltung des Wochenendes ist weitgehend offen, mit folgenden Eckpunkten:

Ankommen ist frühestens möglich abends am 27.3.2009 (Freitag).

Am Nachmittag des 28.3.2009 findet ein Gründungstreffen des des Arbeitskreises Arbeitslosen- und Selbständigen- Hilfe statt. Ziel ist mittelfristig die Gründung einer (oder auch mehrerer) Genossenschaft für Langzeitarbeitslose und Kleinselbständige, langfristig ein Netzwerk genossenschaftlicher Zusammenschlüsse am Oberrhein.

Am Abend des 28.3.2009 ist eine Tanzparty.
Alle Besucher werden gebeten und ermuntert, ihre Lieblings-Tanzmusik mitzubringen.

Dienstag, 10. März 2009

Blog des Tut- und Blasorchesters Maimont eingerichtet

Das nemetische Musikprojekt "Tut- und Blasorchester Maimont" hat ab jetzt einen eigenen Blog, wo alle Musikstücke dieses Projekts verfügbar sind.

Die URL ist http://tubom.wordpress.com

Das Projekt ist für alle offen, die mit geeigneten Mitteln gern digitale Musik im Sinne der nemetischen Leitidee "Jeder Mensch ist ein Künstler" machen wollen.

Hier das neueste Experimentalstück unter Einsatz einer Softwaremulation des uralten Synthesizers "Silver".

Montag, 9. März 2009

Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Ein Technostück vom (nemetischen) Tut- und Blasorchester Maimont.

Über die Genossenschaft

Die Förderung genossenschaftlicher Wirtschaftsformen ist ein wichtiges Ziel der nemetischen Bewegung. In folgendem Text sind wichtige Grundinformationen über die Genossenschaft zusammengefasst.

Grundsätzliches
Eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von natürlichen und juristischen Personen (Personenvereinigung), die gemeinsam, aber (nicht immer gleichberechtigt) etwas unternehmen (genossenschaftlicher Geschäftsbetrieb). Die genossenschaftliche Organisationsform, die auch mit den Begriffen Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung umschrieben werden kann, ist ein Zusammenschluss von Personen, die sich in gleichen oder ähnlichen Problemlagen befinden und gemeinsam nach Lösungen dafür suchen.
Gemeinsam seine Ziele besser zu erreichen als im Alleingang, das ist der Grundgedanke einer jeden Genossenschaft. Die genossenschaftliche Kooperation bietet sich an, da das Verfolgen eines wirtschaftlichen Ziels die Leistungsfähigkeit des Einzelnen in der Regel übersteigt, und zugleich aber eine autonome, selbstbestimmte selbständige Existenz gewahrt werden soll.
Eine Genossenschaft ist zudem durch die Prinzipien Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung gekennzeichnet. Das Prinzip der Selbsthilfe bedeutet, dass die Mitglieder einer Genossenschaft sich freiwillig zusammen tun, um gemeinsam zu wirtschaften.

Geschichte
Bereits im Altertum entstanden Notbündnisse mit genossenschaftlichen Zügen durch Bildung von Gemeinden (Poleis), Religionsgemeinschaften oder Stämmen. Im Mittelalter entwickelten sich gemeinschaftliche Zusammenschlüsse (Einung) meist sozial, wirtschaftlich oder politisch Schwacher für einen gemeinsamen Zweck. In der Schweiz entwickelte sich aus diesen Genossenschaften in den Gemeinden die Direkte Demokratie (Schweizerische Eidgenossenschaft). Robert Owen gilt als Begründer der modernen Genossenschaftsbewegung.
Im deutschsprachigen Raum gründeten zwei Männer gleichzeitig und unabhängig von einander die ersten Genossenschaften:Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch.
Ihre Auswirkung reichte schon früh in die entstehende Arbeiterbewegung, aber auch in die Gewerkschaftsbewegung und den Anarchosyndikalismus hinein. "Kooperativen" sind nichts anderes als Genossenschaften.
Lenin definierte 1923 (kurz vor seinem Tod) den Sozialismus als genossenschaftliche Ordnung und forderte die energische Förderung freiwilliger genossenschaftlicher Zusammenschlüsse durch den jungen Sowjetstaat (der ging allerdings unter Stalin in eine ganz andere Richtung, nämlich gewissermaßen eine Wiederkehr des zaristischen Zwangsstaates).

Rechtliches
Rechtliche Grundlage ist das Genossenschaftsgesetz vom 20. Mai 1898, umfassend geändert durch ein Bundesgesetz vom 9. Oktober 1973. Im Jahr 2006 wurde das Genossenschaftsgesetz nochmals einer grundlegenden Reform unterzogen.
Wirtschaftlich relevant in Deutschland ist die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft. Nicht eingetragene Genossenschaften sind zwar möglich, spielen in der Praxis aber so gut wie keine Rolle. Allerdings ist eine nicht eingetragene Genossenschaft ein sinnvoller Vorläufer für eine eingetragene Genossenschaft.
2004 gab es 5.470 eingetragene Genossenschaften.
Eine eG muss aus mindestens drei Mitgliedern bestehen (§ 4 GenG). Die Genossenschaft ist in das Genossenschaftsregister des zuständigen Amtsgerichts als Registergericht einzutragen. Sie muss über eine Satzung mit gesetzlich vorgeschriebenem Mindestinhalt verfügen (§§ 5 ff. GenG).
Weiter ist zu erwähnen, dass eine eG Mitglied in einem Prüfungsverband sein muss. Der Prüfungsverband nimmt Kontroll- und Aufsichtsrechte gegenüber der eG wahr. Für die gesetzlich vorgeschriebene Mitgliedschaft entstehen den Genossenschaften Kosten. Für neue und kleine Genossenschaften kann das eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen (Kosten für kleine Genossenschaft etwa 1.000 Euro).
Eine gemeinnützige Genossenschaft ist möglich und zulässig, siehe
http://www.google.de/search?hl=de&q=gemeinn%C3%BCtzige+Genossenschaft&btnG=Google-Suche&meta=

Eigenkapital und Haftungssumme
Die pflichtgemäß oder freiwillig mehr gezeichneten Geschäftsanteile der Mitglieder bilden den Gesamtnennbetrag der Geschäftsanteile der Genossenschaft. Die Höhe der Geschäftsanteile wird in der Satzung bestimmt. In Deutschland gibt es keine Mindestkapitaleinlage, wie bei der GmbH. Sie ist nach Art und Umfang der geschäftlichen Tätigkeit der Genossenschaft und der daraus resultierenden Risiken sowie der voraussichtlichen Mitgliederanzahl festzusetzen. Bei Festsetzung der Betragshöhe der einzelnen Geschäftsanteile ist daher auf die notwendige Kapitalausstattung der Genossenschaft Bedacht zu nehmen.

Zur weiteren Information:
Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband http://www.dgrv.de/de/genossenschaftswesen/genossenschaft.html
Förderland (Wissen für Gründer und Unternehmer)
http://www.foerderland.de/1287.0.html
Mittelstands-Wiki
http://www.mittelstandswiki.de/Genossenschaft
Der komplette Gesetzestext des GenG
http://bundesrecht.juris.de/geng/index.html

Dienstag, 9. Dezember 2008

Dezembertermine im Grünen Haus Zunsweier

Liebe Freundinnen und Freunde,

vor der Winterpause im Grünen Haus Zunsweier hier kurz & knapp
noch ein paar Einladungen:


- Samstag, 14. Dezember 15.30 Satsang mit Muni
(www.muni-satsang.de)
- Sonntag, 15. Dezember 14.oo Nemetisches Kreisgespräch
"Spiritualität in unserem (gemeinsamen?) Alltag"

24. Dezember, Heiligabend: Nemetische Weihnacht
für Gemeinschafts-Süchtige und Heimatlose ;-)

31.12. Silvesterparty

hierzu demnächst genauere Infos auf der Nemetischen Heimatzeitung
http://nhz.twoday.net/


spät-nächtlich kurzgefaßte
und dennoch herzliche Grüße,
wir freuen uns auf euch

miScha :-) deva
im Namen des Teams vom Grünen Haus

Montag, 8. Dezember 2008

Harmony und New Harmony in Indiana (USA)

Mit diesem Artikel soll einem der aufsehenerregensten Gemeinschaftsexperimente des 19. jahrhunderts gedacht werden, nämlich "New Harmony".
Dieter Duhm schreibt irgendwo in seinem Buch "Die heilige Matrix", dass diese Gemeinschaftssiedlung im Dschungel untergegangen wäre.
Nun, New Harmony ist heute eine Kleinstadt in den USA (Bundesstaat Indiana) und keineswegs untergegangen
Sie zählte im Jahr 2000 916 Einwohner, während es 1910 noch 1.229 und 1900 noch 1.341 Personen waren.

Begründet wurde diese Kleinstadt 1817 durch den radikalen pietistischen Laienprediger Johann Georg Rapp.
Dieser war Sohn eines Leinewebers und Weingärtners, von Beruf Leineweber, und trennte sich 1785 in seinem Heimatort Iptingen in Württemberg als separatistischer Gegner der lutherischen Kirche von dieser.

Die radikalen Pietisten waren davon überzeugt, dass wahres Christentum nur außerhalb der verfassten Kirche gelebt werden könne. Deshalb blieben sie den Gottesdiensten und Abendmahlsfeiern fern. Viele verweigerten Taufe und Konfirmation der Kinder und hielten diese von der Schule fern. Außerdem lehnten die radikalen Pietisten die Eidesleistung und den Militärdienst ab.
Auch im 19. Jahrhundert stießen solche Vorstellungen nicht auf das Wohlwollen der Obrigkeiten.

Im Jahr 1803 wanderte Rapp nach Amerika aus und kaufte 1804 für die Gründung seiner ersten Siedlung mit Namen Harmony in Pennsylvania in der Nähe des Ortes Zelienople 1.640 ha Land zum Preis von 10.000 $.

Am 15. Februar 1805 gründete Rapp dort die Gemeinschaft Harmony Society, ließ aber das gesamte Vermögen auf sich und seine Familie eintragen. Beim Eintritt musste jedes neue Mitglied die Grundsatzerklärung Artikel zur Vereinigung von 1805 unterschrieben. Damit erfolgte die Übergabe des gesamten Vermögens und den Verzicht auf Privatbesitz; dafür verpflichtete sich Rapp sich für die Dauer der Mitgliedschaft zur Bereitstellung der lebensnotwendigen Güter. Rapp berief sich dabei auf die Bibelstelle Apostelgeschichte Kapitel 4 Vers 32.
Diese Gemeinschaft war durchaus erfolgreich.

1813 entschloss sich Rapp aus ökonomischen Gründen, die Stadt in Pennsylvania aufzugeben und zu einem Preis von 100.000 $ zu verkaufen.

Im Winter 1813/14 reiste Rapp nach Indiana und kaufte dort bis 1817 an dem Fluss und Schifffahrtsweg Wabash aus dem Staatsbesitz nach und nach rund 12.300 ha sumpfiges Land zum Preis von 61.050 $ auf.

Nur 70 Rappisten (oder Harmonisten) blieben in Pennsylvania; die übrigen 730 zogen von 1814 bis Mai 1815 nach Indiana, um dort ihre zweite Stadt Harmony aufzubauen.

Beide Kolonien wurden von Friedrich Engels in seinem Artikel "Beschreibung der in neuerer Zeit entstandenen und noch bestehenden kommunistischen Ansiedlungen" im Jahr 1845 besprochen.
(vollständiger Text hier)

Die Rappisten waren - kurz gesagt - im wesentlichen religiöse Sektierer. Die Mitglieder der Harmony Society waren (auch als bereits Verheiratete) zu einem gemeinsamen Leben (vita communis) mit sexueller Enthaltsamkeit, Verzicht auf Privatleben und ausschließlich kollektiver Arbeit verpflichtet; freigestellt war allein der Besuch der abendlichen religiösen Zusammenkünfte und der beiden Sonntagsgottesdienste. Die Einhaltung dieser Verpflichtungen überwachte Rapp in unnachgiebiger Weise.
Ökonomisch indessen war die Gemeinschaft ausserordentlich erfolgreich. Das Vermögen der Gemeinschaftskasse stieg bis zum Tod von Rapp im Jahr 1847 nach unterschiedlichen Angaben auf 5 -12 Millionen $.

Die "Harmony Society" löste sich (nach ihrer Gründung 1805) so um 1905 auf - ein Wunder, wenn man die sexualfeindliche Haltung dieser Gemeinschaft bedenkt.

1824 kaufte der Frühsozialist Robert Owen die Stadt Harmony und den 121 km² großen Landbesitz in Indiana zum Preis von $150.000 von Johann Georg Rapp und gab der Stadt den neuen Namen New Harmony, den sie bis heute trägt.

Robert Owen war im Unterschied zu Rapp zwar auch ein engagierter Gemeinschaftsgründer, aber strikt atheistisch in seiner Grundhaltung.

Die neue nicht religiöse Produktionsgenossenschaft in New Harmony mit rund 1000 Einwohnern bestand nur von 1825 bis 1827.

Woran scheiterte sie?

Der individualistische Anarchist Josiah Warren (1798 - 1874), der selbst Mitglied des Experiments unter Owen war, führte das Scheitern darauf zurück, dass den Teilnehmern zuwenig Unabhängigkeit in ihren privaten Entscheidungen gelassen wurde. Deswegen sei es unmöglich gewesen, Konsens in der Frage einer für jeden einzelnen verbindlichen "richtigen" Lebensweise zu erreichen. Das Experiment scheiterte aber auch, weil Mitglieder in die Produktionsgenossenschaft aufgenommen wurden, die dazu nicht geeignet waren, und weil Robert Owen lange Zeit von New Harmony abwesend war und deshalb gerade in der Anfangszeit keinen Einfluss auf die Entwicklung der Produktionsgenossenschaft nehmen konnte.
wikipedia

"Zu wenig Unabhängigkeit bei privaten Entscheidungen" also...
Es ist ein eigentümlicher Zug, der sich durch die Gemeinschaftsprojekte des 19. Jahrhunderts zieht:

- ein übertriebener "Kollektivismus" und die Dominanz von Gruppenzwang erodierte viele frühsozialistische Experimente (z.B. auch bei den ikarischen Kommunisten um Etienne Cabet)

- seltsamerweise hatten aber viel rigidere religiöse Gemeinschaftsprojekte (z.B. die Rappisten) eine längere Lebensdauer. Die Rigidität des religiösen Kultes schuf in diesen Fällen einen stärkeren Zusammenhalt, als der Gruppenzwang Zentrifugalkräfte erzeugte. Auch die sehr experimentelle Oneida-Community ("komplexe Ehe") mit ihrer langen Lebensdauer war im Prinzip eine evangelikale Sekte.

Insofern war auch New Harmony unter Robert Owen nicht von Freiwilligkeit und darauf basierender Verbindlichkeit geprägt, wie es ein Charles Fourier als charakteristisch für eine "harmonische" Gesellschaft erklärt hatte.
Zwischen beiden Personen gab es darüber auch einen handfesten Streit.
Für den hoch engagierten Philantropen Robert Owen war das Scheitern der atheistischen Kooperative nach drei Jahren erst einmal eine Niederlage.

Doch das Ende der Kooperative war nicht das Ende auch der Siedlung.

Robert Owen verließ New Harmony am 1. Juni 1827, achtzehn Monate nach dem enthusiastischen Anfang. Aber auch nach seinem Fortgang zog New Harmony zahlreiche kreative Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Lebensentwürfen an, die dafür sorgten, dass New Harmony als Stadt Bestand hatte und zu einer für die Entwicklung von Indiana bedeutsamen Stadt der Kultur und der Wissenschaften wurde, in der sich als Innovation für Nordamerika die ersten öffentlichen Schulen mit gleichberechtigter Ausbildung für Jungen und Mädchen, die erste öffentliche Berufsschule, das erste Arbeiterinstitut, die erste öffentliche Bibliothek und der erste öffentliche Kindergarten befanden. Der Kindergarten in New Harmony war der Anlass zu dem englischen Lehnwort kindergarten.
Feministinnen in New Harmony setzten das Frauenwahlrecht in New Harmony durch, lange bevor das Frauenwahlrecht in Indiana oder in anderen Bundesstaaten der USA eingeführt wurde.


wikipedia

Trotz des Scheiterns sowohl von Harmony als auch New Harmony sei beiden Pionierprojekten Respekt gezollt.
Johann Georg Rapps Gemeinschaft mag aus heutiger Sicht mit ihrem kollektiven Zölibat fremdartig anmuten, war aber über Jahrzehnte hinweg außergewöhnlich ökonomisch erfolgreich.
Robert Owens Bestrebung, eine Gemeinschaft in New Harmony ohne diese religiösen Hintergründe ins Leben zu rufen, scheiterte zwar nach wenigen Jahren, erregte aber weltweit großes Aufsehen.

Für uns heute gilt es, sowohl die Erfolgsfaktoren als auch die Gründe des Scheiterns in beiden Projekten zu erkennen und daraus Lehren zu ziehen.



Bild: Robert Owens niemals realisierte Vision von New Harmony.

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Hochinteressant
danke für den Link, wußte ich noch nicht.
nemetico - 30. Jan, 15:41

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