Montag, 2. Juni 2008

Vordenker

Die Bewegung Intentionaler Gemeinschaften hat eine große und respektable Tradition, die bis in die Antike zurückreicht.

Die NHZ veröffentlicht immer mal wieder Artikel zu den Vordenkern der Intentionalen Gemeinschaftsbewegung.

Bisher erschienen Artikel über:
- Alexandra Kollontai
- Charles Fourier
- Ernst Bloch (Philosoph der konkreten Utopie)
- Etienne Cabet (Begründer der ikarischen Kommunisten)
- Friedrich Engels
- John Noyes (Begründer der Oneida - Kommune)
- Pierre Leroux (religiöser utopischer Sozialist)
- Epikur (gemeinschaftsorientierter antiker Philosoph)

Sonntag, 1. Juni 2008

Umfragen

Um die Nemetische Heimatzeitung zu verbessern, brauche ich euer Feedback, liebe Leser.

Wenn ihr einen Mausklick Zeit habt.....


Umfrage "Wie fanden Sie zur NHZ?"


weitere Umfragen folgen...

Suche Kontakte zu Polyamoriern

Polyamory steht für ständige Mehrfachbeziehungen zwischen Männern und Frauen.
Die einfachste Polyamory - Struktur ist ein Dreieck.

Ich suche Menschen, die
- in polyamorischen Beziehungen leben
- oder schon lebten
- oder die sich für diese Thematik interessieren

zur Mitarbeit an der Gestaltung der Webseite. Es geht konkret darum, die Webseite um Erfahrungsberichte zu erweitern.

http://polyamory.nemetien.org

Kontakt: polyamory [at] nemetien.org

Vision Ikarien

Über den utopischen Kommunisten Etienne Cabet gab es schon einen Artikel.

In diesem Text soll es speziell um seine Vision "Ikarien" gehen.

Durch einen Artikel in seiner Zeitschrift "de Populaires" fiel Etienne Cabet in Ungnade wegen Majestätsbeleidigung des französischen "Bürgerkönigs" Louis Philippe und wurde vor der Wahl zwischen Gefängnis oder Exil gestellt.

Er entschied sich für fünf Jahre Exil in England. Er sprach kein Englisch und hielt sich viel im Britischen Museum auf.
Während seines Exils verfasste er den utopischen Roman "Voyage en Icarie".
Als Vorlage dazu dienten ihm die Theorien Owens, mit dem er sich auch persönlich traf, Buonarottis "Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit" von 1828, Morus’s "Utopia" u.a.
"Voyage en Icarie" ,geschrieben 1839, erschien 1840.
Das Buch war ein großer Erfolg bei den unzufriedenen Massen in Frankreich. Manche Arbeiter legten sogar zusammen, um sich ein Buch zu kaufen. Es wurde ihr "Evangelium".
1840-48 kamen 5 Auflagen heraus.

Das Buch ist in Romanform geschrieben und erzählt die Reise eines jungen Lords zu einer abgelegenen Insel, deren Bewohner gerade die Revolution zum Kommunismus hinter sich haben.

Der junge Lord kann seine Begeistung für die Segnungen der Demokratie nicht verbergen. Dass ein Adliger dermaßen Partei ergreift, begeisterte offenbar die proletarischen Leser.

Voyage en Icarie beschreibt einen komplett durchorganisiertern Arbeiterstaat auf einer großen Insel, dessen oberstes Prinzip die vollkommene Gleichheit und Gütergemeinschaft war.
Das Volk ist in 1000 Gemeinden aufteilt, die Hauptstadt heißt Ikaria. Die Städte und Gemeinden sind architektonisch alle streng symmetrisch angelegt. Im Zentrum die Hauptstadt Ikaria, die eine Kreisform besitzt

Die Volksvertreter Ikariens werden demokratisch gewählt. Es werden Komitees gebildet, die bis ins Detail zum Wohle aller entscheiden.

Alle Ikarier werden z.B. zentral mit wechselnden Menues bekocht. Sie speisen alle gemeinsam in prachtvoll ausgestatteten Speisesälen. Es gibt ein ikarisches Kochbuch, das die besten und gesündesten Nahrungsmittel aufführt.

Ein Komitee von Experten entscheidet über die Kleidung der Ikarier. Zu jedem Anlass werden Uniformen hergestellt, deren Stoffe elastisch sind, damit sie für verschiedene Größen passen. Die Farbe kann nach Geschmack gewählt werden.

Die Bewohner Ikariens kommen in den Genuß der neusten technischen Errungenschaften. Ikarien kennt bereits eine Art Straßenbahn und Ampelanlagen.

Alle Ressourcen werden nach dem Maßstab "zuerst das Nötige, dann das Nützliche, zuletzt das Angenehme" aus dem Gesellschaftskapital bestritten, von Kleidung über Nahrung bis hin zu den Werkzeugen etc.

Das Einkommen wird progressiv besteuert, das Erbrecht ist abgeschafft, der Staat regelt die Löhne bzw. schafft sie ganz ab. So garantiert die Arbeit keinen höheren Lebensstandard mehr, es entwickelt sich keine Oberschicht und alle werden gleich geachtet. Besondere Leistungen werden allein durch öffentliche Auszeichnungen belobigt. Auch die Aristokraten (!!) sind allen gleichgestellt, zufrieden üben sie handwerkliche Berufe aus.
Ikarien verfügt über staatliche Werkstätten (Manufakturen) und Ackerbaukolonien.
In Ikarien gibt es keinen Bedarf für "ungesunde" Berufe, wie z.B. Wirte und Waffenschmiede.

Der Gründer Ikariens, Ikar, wird an jeder Strassenecke mit Denkmälern, Inschriften und Plakaten verehrt.
(Liest sich aus heutiger Sicht natürlich seltsam, wenn man an die Ikonomanie etwa des Stalinismus denkt).

Eine freiwillige Selbstzensur der Ikarier ersetzt jede Polizei.
Eine Nationalzeitung, die allen zugeschickt wird, veröffentlicht das Geschehen in dem Staat.
Das Erziehungssystem besteht aus einer Grundausbildung und 12 Jahren moralischer Erziehung.
Frauen verlassen mit 17 die Schule, Männer mit 18. Im Alter von 50 Jahren dann, gehen die Frauen in Ruhestand und die Männer mit 65.
Von Kindheit an lernen die Bewohner die Mehrheit zu respektieren und ordnen sich ohne Murren unter.
Künstler und Dichter schaffen ihre Werke nur zum Wohle des Staates (z.B. besingen sie technische Errungenschaften).

In Cabets Utopia sind alle Menschen zufrieden und glücklich, ein Ikarier spricht es aus: "Der Mensch gehorcht gerne einer Ordnung, die er selbst gemacht hat".

Aus heutiger Sicht wirkt Cabets Ikarien streng und reglementiert. Bekanntlich attackierte Charles Fourier Cabets Vorstellungen heftig (und umgekehrt Etienne Cabet den Fourier auch).

Ein Bedürfnis nach Platz für Spontanität der Ikarier gab es in Etienne Cabets Ikarien nicht. Mögliche Konflikte zwischen dem Interesse der Gemeinschaft und der Individuen werden ausgeklammert.

1847 hatte Cabet ca. 400000 Anhänger in Frankreich. Eine ungeheure Zahl für die damalige Zeit.
Sie drängten bald nach einen praktischen Beweis für die Theorie, sie wollten das Experiment.


Das ehrgeizige utopische Experiment in dem amerikanischen Städtchen Nauvoo scheiterte, nicht zuletzt am unduldsamen und herrischen Charakter Cabets selbst.

Doch seine Vision von Ikarien inspirierte die Arbeiterbewegung seiner Zeit gewaltig, und selbst aus der Kritik seiner Utopie gingen wertvolle Impulse aus.

Auch wenn er gelegentlich als der "bürgerlichste" aller Frühsozialisten bezeichnet wird und seine persönlichen Bestrebungen zu Realisierung seiner Utopie scheiterten, auch wenn sein utopischer Entwurf aus heutiger Sicht teilweise eher skurrile Züge trägt, so ist doch sein Lebenswerk, für das er alle seine Kräfte einsetzte, zu würdigen und zu respektieren.

Er ist in jeder Hinsicht einer der Urahnen der Arbeiterbewegung und der Bewegung Intentionaler Gemeinschaften, und selbst in seinem Scheitern und in seinen Irrtümern einer der größten der menschlichen Geschichte.


Ein Auszug aus seinem utopischen Roman:

Arbeiter, auf nach Ikarien!

Denkt über euer Los nach und ihr müßt einsehen, daß euch das Elend packt, wenn ihr den Mutterleib verlassen habt, und daß es sich nicht eher von euch trennt als wenn ihr im Sarge ruht.

Ihr, Proletarier, Söhne der Proletarier, wandelt in schmutzigen Lumpen einher, darbt am Geist und hungert am Magen; schaut nur zu oft böses Beispiel, arbeitet zu oft über eure noch jugendlichen Kräfte, so steht es um eure Kindheit. Dann kommt Arbeiten und immer Arbeiten bis auf Schweiß und Blut, Arbeiten voll Gefahren, voll Ekel, und ohne genügenden Lohn, Arbeitslosigkeit und Schulden; Krankheiten; Militärdienste; Handwerksbuch; keine Aussicht, stete Unruhe über den morgenden Tag. So lebt ihr in eurer Jugend. An Ehe und Familie haben viele nicht zu denken; und die, welche sich verheiraten, bereuen es oft, so fürchterlich lasten auf ihnen die Sorgen. ~ Und euer Alter, nach langem Arbeiten und vielfältigen Vaterlandsdiensten, hat wieder, zur Vergütung, nichts als Jammer, Elend, Qualen, Hospital und Selbstmord zu erwarten. Dicht neben euch seht ihr eure Meister und Gebieter prassen und Gold rollen; sie haben sozusagen bloß die kleine Mühe auf die Welt zu kommen, dann finden sie reichlichst alles was sie brauchen, um nicht zu arbeiten, nicht zu produzieren, aber trotzdem zu genießen. Ihr habt keine Genüsse, obgleich ihr alles hervorbringt. Allein, Freunde seid gerecht: diese beneideten Klassen sind auch mit ihren Sorgen, ihrem besonderen Kummer geeinigt; sie auch sind Schlachtopfer der alles verschuldenden Gesellschaftsorganisation. Immerhin; aber ihr, ihr seid elend, und es muß uns Arbeitenden endlich irgendwoher Heilung kommen, deucht mir.

Blickt nach Ikarien in Amerika, dort wird das Proletariat nicht mehr vorhanden sein, ebenso wenig schwelgende Reiche. Dort sind alle Bürger die Besitzer des allgemeinen, gesellschaftlichen, nationalen und nicht zu teilenden Eigentums. Also ist Armut drüben nicht möglich. Ebenso wenig Arbeitsleute und Arbeitsmeister; stattdessen Assoziierte, brüderlich auf gleichem Fuß sich behandelnd, alle arbeitend, je nach Fähigkeiten. Alle Geschäfte gelten dort als öffentliche Ämter, und alle Ämter gelten als Geschäfte. Folglich gibt es keine Ausbeuter, keine Auspresser, keine Aussauger dort. Keine Tagelöhner werdet ihr dort haben, aber eine gerechte Verteilung der Produkte, wie zwischen Assoziierten. Keine Arbeitslosigkeit, keine Konkurrenz, sondern Arbeitsorganisation, feste vernünftige Arbeitsregeln, nach Erfahrung, Klugheit, öffentlicher Meinung und Ansicht der Mehrheit der Arbeiter selber. Die ganze Ackerbau- und Industriearbeit wird nach großen Werkstätten ausgeübt; niemand bleibt müßig, niemand ist übermäßig beschäftigt. Die Werkstätten sind zweckdienlich, gesund, schön; die Maschinen nehmen viele, ja die meiste Mühe dem Arbeiter ab. Jeder, soviel als möglich, erwählt selbst sich nach Geschmack und Lust eine Profession. Alle Amtsführer sind wählbar und absetzbar; alle Einwohner sind wählbar und wählend...




Keine Arbeits- oder Handwerksbücher mehr; kein knechtischer Soldatendienst; keine Steuer ; jeder gut behaust, bekleidet, genährt, unterrichtet, in Gesundheit erhalten durch die unablässige Sorgfalt der Regierung, d. h. der gesamten Nation; jeder in die Möglichkeit versetzt, ein Weib zu nehmen und ungestört Familienfreude zu genießen.

Keine Aristokratie, keine Vorrechtler, keine Ungleichheiten.

Reine, ganz reine Demokratie, Gleichheit nach Vernunft und Billigkeit, d. h. in Verhältnis und Proportion, stets nach den leiblich-geistigen Kräften für die Arbeit, und nach den Bedürfnissen für die Verteilung. So erst sind alle gleichmäßig beglückt. Kurz, die Arbeiter sind drüben das Volk, die Nation. Nur sie, und niemand anders, herrschen dort; denn es gibt drüben nichts als Arbeitende; sie erziehen sich in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse, und erst auf diesem Pfade wird die Menschheit in Ordnung kommen. Arbeiter! zaudert nicht; heute seid ihr noch geknebelt, getreten, gefesselt; Achtung hat niemand vor euch, und ihr habt weder Brot noch Arbeit nach Bedarf. Laßt uns dorthin gehen, wo dieses Elend nicht mehr sein wird, nach Ikarien!


Aus heutiger Sicht wirkt es natürlich seltsam, wenn Amerika zum Heimatland des Kommunismus (Ikarien) erklärt wird.
Aber gerade das Amerika des 19 Jahrhunderts ist sehr reich an frühsozialistischen Gründungen intentionaler Gemeinschaften.

zur Geschichte der Ikarischen Bewegung siehe auch
  • http://nihs.info/history.html
  • http://www.marxists.org/subject/utopian/cabet/index.htm

Samstag, 31. Mai 2008

Mit- und ZuarbeiterInnen für Projekt einer Wohnungsgenossenschaft gesucht

Seit einiger Zeit bestehen schon Vorüberlegungen zur Gründung einer Wohnungsgenossenschaft im Rahmen des Nemetischen Konzeptes. Es geht um die Begründung in einer Rechtsform, die geeignet sein soll

• Gebäudekomplexe auf Kaufbasis oder Erbpachtbasis zu erwerben
• Auch die Teilnahme von vermögenslosen Menschen (z.B. Hartz IV Empfänger) möglich macht
• Grundsätzlich dem Genossenschaftsmodell folgt
• Stimmrecht nach Kopfzahl ermöglicht
• Ausbaufähig ist

Die Begründung einer Genossenschaft braucht Zeit und erfordert Vorarbeiten, darunter auch Recherche

Interessenten und Unterstützer werden gebeten, sich bei der Mailadresse

Genossenschaft [at] nemetien.org

Zu melden.
(Achtung! Aktivierung der Mailadresse erst ab 1.6.2008)

Donnerstag, 29. Mai 2008

Frau sucht Mensch zum zusammenwohnen (Ettlingen)

Lieber Mensch, den ich weniger oder mehr kenne!
Ich suche jemanden, der sich auf die für mein doch recht unpopuläre Lebensform einlassen möchte und sende mein Anliegen deswegen an Menschen im Gemeinschaftsumfeld - Ich danke dir schon im voraus von Herzen fürs weitererzählen und schick dir sommerliche Leichtigkeit und Freude mit!

Barbara

Frau sucht Mensch zum zusammenwohnen

in grosszügigem Haus im Grünen
(Ortsrand von Ettlingen in der Kurve, 10 km zur City-Karlsruhe)
Bin selbst 44 Jahre auf der Erde und ra-umgestaltend tätig und ich wünsche mir
- Kooperation und lebendigen Austausch
- mit Respekt und Rückzugsraum


- 2 Zimmer 19 und 15 m/2 für dich,
- grosser Gemeinschaftsraum und Gästezimmer.
- 3 Klos, 1 Bad, Riesengarten mit Feuerstelle.
- Miete 320 Euro + ca. 220 Euro NK (geschätzt)
Etwas in dir wird lebendig? dann ruf mich (Barbara) gerne unter 0721- 30738 an oder mail an b.denzler[at]web.de
www.barbaradenzler.de

Donnerstag, 22. Mai 2008

Rensis Likert: Das System überlappender Gruppen

Der Name Rensis Likert ist gewöhnlich nur Studierten bekannt, die sich mit statistischen Erhebungen und Umfragen auseinandersetzen mussten. Beispielsweise nennt sich „Likert-Skala“ ein von Rensis Likert entwickeltes Skalierungsverfahren zur Messung von Einstellungen.
Den Befragten wird eine Reihe von Aussagen (oft auch als "Statements" oder "Items" bezeichnet) vorgelegt, zu denen sie Zustimmung oder Ablehnung äußern können, und zwar in abgestufter Form. Die Befragten sollen also beispielsweise angeben, ob Sie der geäußerten Ansicht "völlig" - "überwiegend" - "teilweise" - "eher nicht" - "gar nicht" zustimmen, oder ob ihrer Meinung nach ein Sachverhalt "ganz und gar" - "weitgehend" - "teilweise" - "eher nicht" - "gar nicht" zutrifft, ob man etwas für mehr oder weniger wichtig hält, usw.
Siehe http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/likert-skala/likert-skala.htm
Rensis Likert ist ein Organisationspsychologe und beschäftigte sich unter anderem mit Managementsystemen.
http://en.wikipedia.org/wiki/Rensis_Likert

Das "Linking-Pin" Management - Modell von Rensis Likert

Was hat aber ein Rensis Likert mit der Bewegung intentionaler Gemeinschaften zu tun? Nun, er entwickelte – für das industrielle und wirtschaftliche Management das hierarchiearme und flexible „Linking Pin“ – Modell, auch „System überlappender Gruppen“ genannt.
http://en.wikipedia.org/wiki/Linking_pin_model
Unternehmerinfo.de schreibt dazu:
http://www.unternehmerinfo.de/Lexikon/G/Gruppenkonzept.htm

Führungsmodell, das davon ausgeht, daß Mitarbeiter organisatorisch betrachtet gleichzeitig Teilnehmer zweier sich überlappender Gruppen sein sollen. Abgesehen von den obersten und untersten Hierarchieebenen soll nach Rensis Likert jeder Mitarbeiter gleichzeitig in zwei verschiedenen Gruppen (z. B. Abteilungen) an Entscheidungen beteiligt werden und ist damit in der einen Gruppe teilnehmendes, in der anderen Gruppe führendes oder moderierendes Mitglied. Entscheidungen sollen so weit nach unten verlagert werden, daß diese bezüglich des Sachverstandes der Gruppenmitglieder gerade noch bewältigt werden können. Durch das Netzwerk sich überlappender Gruppen soll die Kommunikation und Integration im Unternehmen verbessert werden.

Wem das zu abstrakt ist, sei es anhang eines Schaubildes kurz erklärt:

Die Kreise stellen Teams dar, die Punkte Menschen. Im Unterschied zu unserem gewohnten Stab-Linien-Kommandosystem, wie wir es aus fast allen unseren Arbeitsplätzen kennen, ist das Team die Grundstruktur dieses Systems. Auch die Führungsebenen bis zur höchsten stellen Teams dar. Gleichzeitig ist es jedoch auch möglich, in mehrere Ebenen gegliederte Führungsebenen zu gestalten. Ich erinnere daran, dass Likert dieses System als Managementsystem für komplexe Industrieorganisationen und Wirtschaftstrust entwickelt hat. Es hat gegenüber der (aus dem Militär abgeleiteten) Stab-Linien-Organisation mit ihren Kommandostrukturen von oben nach unten den Vorteil, dass die Teamarbeit durchgängig die Basis der Organisation ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Stablinienorganisation
Graphische Darstellung einer Stablinienorganisation:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Stabliniensystem.jpg
Entsprechend schreibt unternehmerinfo.de warnend dazu:
Gruppenarbeit muss jedoch nicht immer motivierend auf Mitarbeiter wirken (Gruppenfertigung). Gruppenentscheidungen benötigen i.d.R. viel Zeit und der Erfolg einer Maßnahme hängt entscheidend vom Klima in der Gruppe (Kohäsion) sowie dem Willen ab, gemeinsam die Entscheidungen zu realisieren. Praktische Anwendungen dieses Modells sind selten.
Was mit Sicherheit damit zu tun hat, dass auf Integration und Partizipation ausgerichtete Organisationsmodelle in der spätkapitalistischen Realität wenig Nutzen haben für die herrschende Klasse der Kapitalbesitzer, die auf eine fluktuative und gefügige Arbeiterklasse wert legen.

Zukunftsträchtiges Managementkonzept

Ich behaupte allerdings, daß Rensis Likerts Management weit über die Enge kapitalistischer Wirtschaftsorganisation hinausweist und Grundlage sein kann für Organisationsstrukturen hochkomplexer herrschaftsfreier Systeme.
Spätestens hier muß jeder Anhänger intentionaler Gemeinschaften und auch jeder überzeugte Sozialist (bis hin zu Anarchosyndikalisten) hellhörig werden.

Zunächst möchte ich darauf aufmerksam machen, daß das in seiner ursprünglichen Form vorgestellte System in mehreren Aspekten noch modifiziert werden kann.
Zum einen kann die Zugehörigkeit eines Teammitglieds zu einem ("übergeordneten") Link - Team nicht nur durch Kooptation (Ernennung), sondern auch durch Wahl erfolgen (Wahl der Vorgesetzten durch das Basisteam).

Damit wird das Likertsche System kombinierbar mit den klassischen sozialistischen Vorstellungen mit einer auf gewählten (und jederzeit abwählbaren) Arbeiterräten basierenden Arbeiterdemokratie kombinierbar.

Dann läßt dich auch der gesamte hierarchische Aufbau relativieren und dymnamisieren.

Das oben dargestellte Likertsche System in seiner Urform hat natürlich ein "ganz oben" und ein "ganz unten". Aber streng genommen muss das noch nicht einmal sein.
Meine Erfahrung als Firmengründer von Kooperativen sagt mir, daß es auch in einem kooperativen Betrieb verschiedene Führungsaufgaben gibt:

- wirtschaftliche Führung (Rechnungs- und Buchführung, Controlling)
- fachliche Führung (bezogen auf die angebotenen Produkte bzw. Dienstleistungen)
- menschlich - pschologische Führung (Konfliktbehandlung, Betriebsklima etc.)

Die drei Führungs"sphären" müssen keineswegs eindimensional in einer Hand bzw einer Hierarchielinie liegen.

Daraus ergibt sich ein sehr komplexes, mehrdimensionales System, so wie in diesem Beispiel hier.
http://s2.directupload.net/images/user/080522/7qwyzv2t.jpg

Herrschaft versus Führung

Ich bin gewiß der Ansicht, daß herrschaftsfreie Organisationsstrukturen auch Führung benötigen und unterscheide daher sehr scharf und sehr konsequent zwischen Herrschaft und Führung.

Herrschaft basiert auf Zwang und Ausbeutung, wogegen Führung (oder Leitung) aufgabenorientiert (und qualifikationsorientiert) ist und transparent sowie effizient gestaltet werden sollte.

Diese Unterscheidung erscheint mir sehr wichtig. Während Herrschaft etwas ist, was die Menschheit abschaffen sollte und früher oder später auch wird, wird (fachlich orientierte) Führung als notwendiges Element bleiben, solange es Menschen gibt. Das Likertsche Modell liefert Ansätze, Führung sinnvoll, transparent und auch herrschaftsfrei zu gestalten.
Genau in dieser Hinsicht weist das Likertsche Modell - mit Modifikationen - weit über die kapitalistische Verwertungswirtschaft hinaus.

Das Beispiel des Stammes der Likatier

Ein Beispiel für eine modifizierte Likert – Organisationsstruktur findet sich etwa beim Stamm der Likatier. Um nicht missverstanden zu werden: die Likatier haben ihren Stammesaufbau nicht etwa in Kenntnis und Anwendung des Likertschen Organisationskonzeptes vorgenommen. Ich vermute sogar, dass Rensis Likert und sein Managementkonzept bis in die Kreise der Stammesführung unbekannt sind.
Um so interessanter, dass da sehr wohl Übereinstimmungen zu finden sind. Da ich selbst bis zum heutigen Tage sogenannter „autider“ Lebemensch des Stammes bin und auch bleibe, kann ich auch die Realität der Aufbaubeschreibung des Stammes bestätigen.
Auf der URL
http://www.likatien.de/likatien/stammesaufbau.php/cPath/info_aufbau
sind drei Ebenen (besser vielleicht Sphären) des Stammesaufbaus beschrieben:
- Stammeskreise (Mitgliedschaftsgrade)
- Stammesgruppen („Sozialgruppen“)
- Stammesbereiche (Wirtschaftsorganisationen)



„Stammeskreise“ beschreiben zwiebelschalenförmig „Einlass-Stufen“ von Stammesmitgliedern:

Im Stamm der Likatier existieren verschiedene Stammes-Kreise, die die verschiedenen Grade des Einlassens auf den Stamm symbolisieren und die verschiedenen Arten von Mitgliedschaften darstellen. Entstanden ist dieses Modell durch die Erfahrung, dass die Menschen höchst unterschiedliche Bedürfnisse bezüglich der Frage, wie sehr sie sich auf den Stamm einlassen wollen, haben. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, war es erforderlich, unterschiedliche Arten von Mitgliedschaften zu schaffen, wo jeder die Form von Mitgliedschaft wählen kann, die ihm und seinen Bedürfnissen entspricht.
http://www.likatien.de/likatien/aufbaukreise.php/cPath/info_aufbau_aukr

Diese Einlassstufen reichen von Lamatiden („latent Manifesten“: Ausgetretene, verstorbene) bis hin zu den Existenzialmenschen.

Stammesgruppen bezeichnen sogenannte „Sozialgruppen“ (es gibt deren fünf), die sich mehr nach Temperamenten und Charaktereigenschaften definieren.

Die "Sozialgruppen", die seither in unregelmäßigen Abständen zusammenkommen und sich mit einer Vielfalt von kulturellen und sozialen Themen beschäftigen, übernehmen auch verschiedene Aufgaben im Stamm, wie z.B. die Gästebetreuung, Fahrten zu anderen Gemeinschaften, Ausrichten von Festen etc. Die Zuordnung zu den Gruppen wird nicht bierernst nach den Wesensmerkmalen der Gruppen vorgenommen, und neue Mitgliedschaften richten sich weitgehend nach Sympathie und Belieben des Antragstellers.
http://www.likatien.de/likatien/aufbaugruppen.php/cPath/info_aufbau_augr

Die wirtschaftlichen Organisationen des Stammes werden "Bereiche" genannt:

Die Wirtschaftsstruktur des Stammes der Likatier gliedert sich in sechs wirtschaftliche Bereiche. In diesen jeweiligen Bereichen arbeiten branchenähnliche Betriebe zusammen. Die Betriebe haben ihre jeweiligen Betriebsleiter und darüberhinaus gibt es einen Bereichsleiter, der für den Bereich insgesamt verantwortlich ist.

Klar, daß wirtschaftliche Effizienz auch eine funktionelle Hierarchie erforderlich macht.

Zuzüglich noch zu einer vierten, auf der Webseite des Stammes ungenannte Ebene (die so etwas wie „Gesinnungsgemeinschaften“ erfasst) ergibt sich daraus ein hochkomplexes System überlappender Gruppen, in die ein Stammesmitglied eingebunden sein kann.

Ich selbst war in diesem System Lebemensch, Mitglied der Sozialgruppe Eloeme und dem Bereich Schwanen zugeordnet, wobei ich in jeder Ebene mit anderen Menschen (überlappend) verknüpft war. Insgesamt ist der Stamm der Likatier insofern als ein komplexes System überlappender Gruppen darstellbar und beweist die Anwendbarkeit des Likertschen Managementsystems auch und vor allem für herrschaftsfreie Gemeinschaftsformen.

Nemetien als System überlappender Gruppen

Auch das zukünftige Nemetien wäre mithin als ein hochkomplexes System überlappender Gruppen (und Gemeinschaften und Kooperativen etc.) vorstellbar.

Eine Erfahrung der letzten Jahre ist beispielsweise, dass es nicht sinnvoll ist, Menschen mit sehr unterschiedlichen Intentionen, Wünschen, Vorstellungen und Zielen in einer einzigen Gruppe zusammenzufassen. Unabhängig von der Art der Entscheidungsfindung (demokratisches Mehrheitssystem, Konsens, Vetoprinzip, Autokratie, Oligarchie) tendiert eine hochgradig heterogene Gruppenbildung zum Zerfall, zur Spaltung oder zur Verödung. Ein System überlappender Gruppen dagegen erlaubt die Gruppierung von Menschen entlang ihrer Ziele, Interessen etc. und bietet doch die Möglichkeit vielfältiger Zusammenarbeit und Kooperation.

Die Oneida Community: Komplexe Ehe

(Aus der Geschichte der Intentionalen Gemeinschaften)
Die 1848 von dem christlichen utopischen Sozialisten John Noyes gegründete Oneida-Gemeinschaft im US-Bundesstaat New York pflegte eine Form der Gruppenehe, die man „komplexe Ehe" nannte und in der theoretisch jede Frau mit jedem Mann verheiratet war. Die Gemeinschaft praktizierte auch eine Form „wissenschaftlicher Fortpflanzung", bei der die zukünftigen Eltern nach Gesichtspunkten der körperlichen und geistigen Gesundheit von der Gemeinschaft festgelegt wurden, was natürlich letztlich auf Eugenik hinausläuft.
Trotz dieses durchaus anrüchigen Umstandes zählt die Oneida Community zu den interessantesten Vorläufern der heutigen intentionalen Gemeinschaften.

Oneida ist eigentlich der Name einer nordamerikanischen indianischen Nation (im Sinne von: Zusammenschluß mehrerer matriarchaler Stämme), siehe http://www.oneida-nation.net/ oder http://www.oneidanation.org/.
Das ist aber ein anderes Thema.


Oneida ist aber eben auch der Name dieser 1848 gegründeten historischen Gemeinschaftssiedlung von sogenannten “Bibel-Kommunisten”, Möglicherweise ließen sie sich bei ihrer Namensgebung von den matriarchalen Oneida – Indianern sich inspirieren.
Der sogenannte „Bibel – Kommunismus“ war, daran soll ausdrücklich erinnert werden, im 19. Jahrhundert eine außerordentlich rege und kreative Strömung in den USA.
Immerhin hatte die Oneida Community 32 Jahre lang, von 1848 bis 1881 Bestand und war damit eine der stabilsten Gemeinschaftsgründungen in den USA.
Das Schlüsselwort ihrer perfektionistischen Weltanschauung hieß: „Verbesserung“.

Im Jahr 1848 hatten Noyes und seine Anhänger eine herrschaftliche Villa in Oneida Creek im Staat New York bezogen, um dort einen urchristlichen Kommunismus zu verwirklichen. Sie bildeten eine Wohngemeinschaft, in welcher allen alles gemeinsam war – auch die Frauen.
Jede erwachsene Frau war mit jedem erwachsenen Man der Wohngemeinschaft verheiratet.
Noyes nannte dies „complex marriage", also komplexe Ehe.
Ein anderer damals ungewöhnlicher Aspekt des in Oneida Creek praktizierten Kommunismus war, dass auch die Männer Hausarbeit machten, was dazu führte, dass die Männer Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen erfanden und zusammenbastelten, während die Frauen auch im Beruf ihren Mann standen. Zu erwähnen ist auch, dass die Oneida Community sehr großen Wert auf Bildung und Erziehung für alle ihre Mitglieder legte.

Religiös waren sie sogenannte Perfektionisten, eine christliche Richtung.
Diese glaubten, dass die Wiederkunft Jesu, von den Christen am Tag des jüngsten Gerichtes erwartet, schon längst stattgefunden habe: nämlich im ersten Jahrhundert n. Chr.
Damit – so ihre Schlussfolgerung - war das Reich Gottes schon lange Wirklichkeit geworden. Sie unterschieden sich demnach von „gnostischen“ evangelisch-christlichen Vorstellungen, wonach die Welt vom Bösen regiert werde und das Reich Gottes ( = Kommunismus) erst in ferner Zukunft nach dem Jüngsten Gericht einkehren werde.
Sie konnten das durchaus auch mit der Bibel begründen.Im 1. Korintherbrief, Abschnitt 15, Vers 51 schrieb Paulus: „Wir werden nicht alle sterben, aber wir werden alle wiederauferstehen“.

Da ist der Schluß zwingend dass das Jüngste Gericht schon im Ersten Jahrhundert nach Christus stattgefunden hat, bevor alle Zeitgenossen des Paulus gestorben waren.

Die Oneida Community hatte indessen damit die notwendige Einstellung, um sich über Tabus (wie z.B. der Kleinfamilie) hinwegzusetzen und ihre eugnischen Vorstellungen umzusetzen. Noyes nannte diese Züchtung von Menschen „stirpiculture“ (Kultivierung des Nachwuchses).

Noyes nannte die traditionelle Ehe eine „selbstsüchtige Institution, in welcher die Männer ihre Eigentumsrechte über die Frauen ausübten“ und pries die Tugenden der „freien Liebe“ – was Noyes in starke Nähe zu den Auffassungen eines Charles Fourier brachte (es ist mir unbekannt, ob die beiden Männer voneinander wussten).
Zwei Regeln gab es aber in der Oneida Community:
1. Zwei Partner durften nur miteinander ins Bett gehen, wenn jeder damit einverstanden war und dies auch gegenüber einem dritten bekundet hatte.
2. zwei Partner konnten nicht ausschließlich nur mit ihrem bevorzugten Partner ins Bett gehen.

Die zweite Regel stellt allerdings strenggenommen einen Verstoß gegen die Freiwilligkeit dar, wenn auch die Oneida Community nie so weit ging, ihren Mitgliedern die Geschlechtspartner vorzuschreiben, wie es bei der AAO im 20. Jahrhundert der Fall war.

Die Idee der „stirpicultur“ bestand nun darin, dass man Kinder mit besseren Erbanlagen erzeugte, indem man die gesündesten und intelligentesten Männer und Frauen miteinander verband. Nur bestimmte Mitglieder der Gemeinschaft erhielten das Recht, Eltern zu werden. Diese wurden durch ein Komitee ausgewählt. Um zu verhindern, dass die jungen Mädchen nicht unkontrolliert Sex mit dem Erstbesten hatten, der ihnen gerade gefiel, sondern mit denjenigen ins Bett gingen, die ihnen zugedacht waren, erfand man die Praxis der „aufsteigenden Partnerschaft“. Sogenannte „Zentralmitglieder“ wachten über die Jungfrauen und sorgten dafür, dass sie vom „richtigen“ Partner schwanger wurden. Deshalb war es wohl wichtig, selbst Zentralmitglied zu sein oder ein gutes Verhältnis zu den Zentralmitgliedern zu haben. Bis es soweit war, dass die zur Fortpflanzung bestimmten Partner zur Zeugung schritten, wurden die jungen Frauen mit älteren Partnern und junge Männer mit älteren Frauen vereint.

Um unerwünschte Schwangerschaften zu vermeiden und um den nicht zur Fortpflanzung berechtigten Partnern auch Gelegenheit zum Sex zu geben, praktizierte man „männliche Selbstbeherrschung“, die darin bestand, dass man durch Carrezza-Praktikenoder durch Coitus interruptus oder durch Petting vermied, dass die Frauen schwanger wurden. In der Praxis war das wohl so, daß das Paar sich in weihevoller Stimmung zunächst mit einem ausgedehnten Vorspiel beschäftigte, der Mann dann behutsam in die Frau eindrang, dort etwa eine Stunde lang ziemlich regungslos verharrte - während sich das Paar den angenehmen Empfindungen hingab - und sich dann wieder behutsam zurückzog ohne zum Orgasmus gekommen zu sein.
Einige amerikanische Anhänger des tantrischen Buddhismus vermuten, dass die Oneida-Liebespaare eine Art Sexual-Meditation durchgeführt hätten, wie sie auch im Tantrismus oder im Taoismus praktiziert werden.

Die Verhütungspraktiken als Geburtenkontrolle scheinen recht erfolgreich gewesen zu sein. Innerhalb von 20 Jahren gabe es in der Gemeinschaft, die etwa 250 Menschen umfasste, nur ca. 40 Geburten.

Ein Problem der „complex marriage“ war, dass die Partner nicht nur gegenüber einer Person, sondern gegenüber allen Mitgliedern die Pflicht hatten, sexuell verfügbar zu sein. Zwar legte Noyes großen Wert darauf, dass ein Geschlechtsverkehr nur stattfand, wenn beide Partner dies wünschten. In der Praxis sahen sich die Mitglieder der Kommune, vor allem wohl die attraktiveren Mitglieder der Community, vor allem wohl die Frauen, einem starken Druck ausgesetzt, ihren sämtlichen Ehemännern zur Verfügung zu stehen. Das könnte schon mal die Freude am Sex verderben, möchte ich mutmaßen.

Obwohl man sich vorstellen kann, dass es in der Community eine Menge Konflikte gab, erwies sie sich als außergewöhnlich stabil. Es existierten sicher die ganz alltäglichen Probleme wie Eifersucht und Liebe zu einem bestimmten Partner, der mit allen anderen geteilt werden sollte. Da gab es bestimmt auch Opposition gegen den Führer der Kommune, die dieser immer wieder durch Einfühlungsvermögung und Überzeugungsarbeit, oft wohl auch durch Berufung auf die heiligen Texte überwinden musste.
Außerdem war die Community von Seiten der Außenwelt allerlei Druck und Problemen ausgesetzt, - wen wunderts? - durch Politiker, die sich zu Tugendwächtern aufspielten und einen fanatischen verleumderischen Kreuzzug gegen die Community starteten.
Daß dieses Sozialexperiment inmitten einer feindlichen Umwelt so lange existieren konnte, war zum einen den Führungsqualitäten von Noyes zuzuschreiben, aber auch der freundlichen und kultivierten Art, mit der die Perfektionisten ihren Nachbarn begegneten, die oft von ihnen sehr angetan waren.
Ein dritter Faktor war sicher auch, dass die Kommune großen wirtschaftlichen Erfolg hatte und zu Wohlstand kam.

So hatte die Oneida Community 32 Jahre lang, von 1848 bis 1881 Bestand, und zwar wesentlich länger als andere Gründungen dieser Art (Shaker, Nauvoo, Harmony, New Harmony) aus der an Gemeinschaftsexperimenten ausgesprochen reichen amerikanischen Früh-Geschichte.
Am Ende (1881)wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Konserven, Tierfallen, Tafelbesteck u. a. produzierte – alles mit der gleichen Perfektion, mit der man auch Menschen gezüchtet und das Liebesleben geregelt hatte.
Wie kam es zu dem Ende?
Die Ursache der Auflösung der Oneida Community ist meines Erachtens auch darin zu suchen, dass sie sich zentral um einen einzigen charismatischen Führer drehte, dessen Sinnesänderung aufgrund einer persönlichen Diskreditierung der auf ihn fixierten Gemeinschaft den Todesstoß versetzte.

Laut dem englischen wikipedia:
http://en.wikipedia.org/wiki/John_Humphrey_Noyes
Im Juni 1879 alarmierte einer von Noyes treuesten Gefolgsleuten ihn, dass er wegen Kindesmißbrauch (Unzucht mit Minderjährigen? Englisch im Original: statutory rape) eingesperrt werden sollte. Er floh mitten in der Nacht nach Ontario in Kanada, wo die Community eine Fabrik besaß. Im August diesen Jahres schrieb er ein Statement zurück zur Community, dass es Zeit wäre, die Praxis der komplexen Ehe zu beenden und in einer „mehr traditionellen Weise“ zu leben. So wurde die Community formal aufgelöst und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (1.Januar 1881). Diese Aktiengesellschaft war als Erzeugerin von qualitativ hochwertigem rostfreiem Besteck außerordentlich erfolgreich und ging erst 2006 vollständig in rein private Hände über.
http://en.wikipedia.org/wiki/Oneida_Limited

Noyes kehrte niemals in die USA zurück, sondern blieb in Kanada. Es werden noch merkwürdige Geschichten über ihn erzählt, er behielt bis zu seinem Tod 1886 noch großen Einfluß auf seine Anhänger. Aber mit der komplexen Ehe war plötzlich Schluß.
Wesentlich mehr war aus den mir zur Verfügung stehenden Quellen leider nicht zu erfahren.

Gewiß widerspricht Noyes Experiment in manchen Punkten (vor allem dem der Eugenik) dem Prinzip der Freiwilligkeit, was für sich schon eine Instabilität der Kommune bedingt, doch erklärt dies nicht den plötzlichen Kurswechsel Noyes am Ende seines Lebens.
Wer die Geschichte der amerikanischen Gemeinschaftsgründungen kennt und auch weiß, dass die puritanische Kultur der USA als Überbau eines entfesselten Kapitalismus Gemeinschaftsexperimente nicht gern sah, sondern entweder zu vernichten oder anzupassen versuchte (ich erinnere an die Lynchjustiz gegen den Gründer der Mormonenkirche Joseph Smith jr.), der kann die Geschichte der Oneida – Community nicht einfach als „gescheitertes kommunistisches Experiment“ abtun.
Das „Experiment“ scheiterte demnach letztlich am Einknicken seines offensichtlich erpressbaren charismatischen Führers.
Möglicherweise handelte es sich um einen ähnlichen Fall wie der des ebenso charismatischen Otto Mühl, dessen AAO – Kommune zu Fall kam, weil der Gründer sich in ein frühreifes 13jähriges Mädchen seiner Gemeinschaft verliebte, mit ihr auch Sex hatte und dadurch mit dem Gesetz in Konflikt kam.
http://de.wikipedia.org/wiki/Aktionsanalytische_Organisation

(Die AAO ist ein eigenes Thema).

Es darf also die Frage aufgeworfen werden, ob die Geschichte der Kommune unter anderen Bedingungen nicht hätte auch anders verlaufen können.

Die Oneida Community bleibt für uns eine Quelle der Inspiration, vor allem auch ihre Fehler können sehr lehrreich sein.

Ehre dem Andenken der Oneida - Kommunarden.

Einige Links dazu:

http://en.wikipedia.org/wiki/Oneida_Society
http://en.wikipedia.org/wiki/John_Humphrey_Noyes
http://www.koinae.de/noyes.htm
http://www.nemetien.org/nhoi/oneida.html
http://www.oneidacommunity.org/
http://digitalcommons.unl.edu/etas/5/
http://www.crookedlakereview.com/books/saints_sinners/martin11.html

Sonntag, 18. Mai 2008

An Nemetien orientierte Gruppe gegründet

Marga, Mischa und Pedro beschlossen am Wochenende 9./10./11. Mai die Bildung einer Gruppe, die als Initiatorengruppe die Gemeinschaftsbewegung in Südwestdeutschland inspirieren und stimulieren will. Diese Gruppe orientiert sich an den Sieben Nemetischen Leitideen, deren Ausformulierung und Aktualisierung auch Aufgabe der neuen Struktur sein wird (siehe www.nemetien.org). Entsprechend ist die Gemeinschaftsbildung (auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen) auf Grundlage von Freiwilligkeit ein wichtiges Anliegen.
Für besonders wichtig halten die drei Initiatoren die Art und Weise der Kommunikation und Entscheidungsfindung der Struktur. Diese soll durch echtes Konsensprinzip und Integration gekennzeichnet sein. Unter echtem Konsensprinzip wird verstanden, dass in einer Entscheidung die Motive, Vorschläge und Intentionen aller Beteiligten integriert werden sollen. Landläufig wird aber unter „Konsensprinzip“ oft Vetoprinzip verstanden, wo die Nein – Stimme einer einzigen Person eine mehrheitsfähige Vorlage zu Fall bringen kann. Dies wird von Marga, Mischa und Pedro ausdrücklich nicht als Konsensprinzip verstanden.
Der Name für die neue Gruppe ist noch nicht beschlossen und befindet sich derzeit in der – natürlich konsensualen – Entscheidungsfindung.
Es wird sich nicht um eine geschlossene, sondern um eine offene Gruppe handeln. Allerdings werden im Unterschied zu früheren Gruppengründungen (MEIGA – Gruppe KA, Etxekoak, Maitea, „Schnuggi“) Mitgliedschaftskriterien existieren. Diese sehen zum einen die aktive Unterstützung der Sieben Nemetischen Leitideen (in welcher Form auch immer) vor, sowie die Bereitschaft und Fähigkeit zu konsensualer Entscheidungsfindung.
Als eine unserer Aufgaben sehen wir die aktive Unterstützung bei Gründung von Gemeinschaftsprojekten und geben gerne unsere vielfältigen Erfahrungen weiter.
Weiterhin beabsichtigen wir, die Sieben Nemetischen Leitideen weiter zu entwickeln, zu fördern, zu verbreiten und praktische Initiativen zu entwickeln, wo Menschen sich zum Zwecke der Gemeinschaftsbildung zusammenfinden. Wir kooperieren gerne mit anderen gemeinschaftsorientierten Gruppen.

Wir sind seit über 10 Jahren in der Gemeinschaftsorientierten Bewegung im Großraum Pfalz/Baden aktiv und haben damit bereits Geschichte geschrieben. Einen Grund für den Zerfall vieler Gruppen sehen wir in der Tatsache, dass sie sich diffus nur durch zeitweilige persönliche Sympathien definierten (und durch persönlich motivierte Ressentiments abgrenzten) und keine weitergehende Ausrichtung besaßen. Konkrete Hausgemeinschaftsprojekte litten daran, dass kulturelle Gewohnheiten der auf Ellbogenprinzipien basierenden alten Gesellschaft sich ungebrochen auswirkten und Desolidarisierung hervorriefen.
Die Gruppe ist entschlossen, aus allen Erfahrungen zu lernen und lehrreiche Schlussfolgerungen für zukünftige Ansätze abzuleiten.

Marga
Mischa
Pedro

Kontakt zu uns: vorläufig über ProjektNemetien[at]nemetien.org
Eine eigene Mailadresse wird nach der Namensfindung eingerichtet

Freitag, 9. Mai 2008

Kommune W

Ich möchte Ihnen heute, liebe Leser, die „Kommune W“ vorstellen, mit der ich auch persönlich schon viele Jahre befreundet bin. Es handelt sich nicht um den offiziellen Namen der Gemeinschaft, die in einer Kleinstadt im Nordwesten Baden – Württembergs angesiedelt ist.
Angesichts der Größe und auch der unterschiedlichen Alterstufen der Kommune gestaltete sich die Interviewerstellung etwas schwierig.
Ich reichte einen Fragenkatalog ein und ging zunächst davon aus, dass jede/r die Fragen für sich beantwortete. Dies erwies sich als unpraktikabel und wurde verworfen.
Die nun vorliegenden Antworten entstanden im Rahmen eines umfangreicheren Palavers am Frühstückstisch. C, ein Mitglied der Gemeinschaft, sammelte die Antworten auf einem Notizzettel. Ich habe die teilweise nur in Stichworten vorliegenden Antworten so ausformuliert, dass sie für Sie lesbar sind. Manche Antworten, die allesamt im Gruppengespräch entstanden, sind natürlich ironisch zu verstehen, bei einigen habe ich das auch explizit kenntlich gemacht.
Wer Kontakt mit der Gemeinschaft aufnehmen möchte, sende mir bitte eine entsprechende Mail, die ich dann weiterleiten werde.
---------------------------------------------

1.) Seit wann existiert eure Gemeinschaft?

23 Jahre von den frühesten Anfängen her. (*)

2.) Wie groß (zahlenmäßig) ist eure Gemeinschaft und wie setzt sie sich zusammen?

Wir sind derzeit 17 Menschen: 9 Frauen und 8 Männer aller Alterstufen. Das jüngste Mitglied ist 6 Jahre alt, das älteste 91 Jahre.
(**)

3.) Wie sieht die ökonomische Basis eure Gemeinschaft aus? Womit verdienen eure Mitglieder ihr Geld?

Wir leben über unsere Verhältnisse, aber unter unserem Niveau (*****). Wir arbeiten alle außerhalb und sind hauptsächlich Akademiker und Studenten.

4.) Habt ihr eigene Betriebe?

ja! (***)

5.) Hat sich die Existenz eurer Gemeinschaft durch gegenseitige Fürsorge und Hilfe schon positiv für einzelne Mitglieder eurer Gemeinschaft ausgewirkt?

Ja. In folgenden Bereichen: Lösung interner Konflikte; die Gemeinschaft wirkte auch beziehungsstabilisierend; Kinder- und Altenbetreuung; bei der persönlichen Weiterentwicklung.
Wobei stets gilt: Ratschläge sind auch Schläge. (*****)
Weiterhin beim Thema Geld (sich gegenseitig Geld leihen), Autos verleihen bzw gemeinsam nutzen, Ausheulen, Einkäufe organisieren, Kochen, Haushaltsführung.
Man findet Badepartner. Flirt- und Liebesschulung

6.) Welche Konfliktlösungsmethoden praktiziert ihr?

Sex.
Diskussion, bis der Gegner erschöpft aufgibt (*****).
Einspruch: wir haben keine Gegner, sondern „leider“ Partner.
Wir praktizieren wöchenliche Treffs zum Austausch der persönlichen Situation (Sprechhasen – Runde, wobei ein Stoffhase einen Sprechstab darstellt).
In diesem Zusammenhang haben wir auch schon einen eigenen Jargon der Kommunikation entwickelt.
So bedeutet bei uns „Zipfel“ eine ungare, noch nicht ausgefeilte Ahnung.
„Ignaz“ ist bei uns der personifizierte „Schweinehund“ und dient zum Benennen des Unbewussten.
In jedem Falle ist Konfliktbereitschaft und Wille zur Wahrheit wichtig.

7.) Habt ihr verschiedene Konfliktlösungs und Kommunikationsmethoden ausprobiert, und welche Erfahrungen habt ihr dabei gesammelt?

Körperliche Auseinandersetzungen bringen nichts (klar). Die Methode „Heißer Stuhl“(+) ist zu verletzend. Manchmal ist eine Art Theaterforum sehr hilfreich. Eine große Rolle spielen bei uns Küchengespräche und Einzelgespräche (Dialoge). Es gibt in unserem Haus eine funktionierende „Hauspost“: jeder erzählt jedem schnellstmöglich alles.
Eine bedeutende Rolle spielen auch gemeinsame Aktivitäten, z.B. Joggen.

8.) Jede Gemeinschaft lebt vom Konflikt, konkreter, von der gemeinsamen positiven Lösung von Konflikten. Es gibt typische Grundschauplätze von Konflikten in einer Cohousing – Gemeinschaft (Cohousing = Wohngemeinschaft). Nach eurer Beobachtung: was waren in eurer bisherigen Geschichte die häufigsten Konfliktfelder: Geld? Sex und Liebe? Sauberkeit und Ordnung? Kommunikation? Sympathie und Antipathie?

Wir beschäftigen uns lieber mit dem Konfliktfeld Initimität, statt mit dem schweren Konfliktfeld Geld. Und viel mit dem Thema Selbstwertgefühl.
Nötige Strukturveränderungen durch Wachstum der Gemeinschaft birgt auch Konfliktpotential. (****)
Das Thema Ordnung und Sauberkeit haben wir durch gemeinschaftliches Outsourcing gelöst.

9.) Seid ihr eine offene Gemeinschaft oder seid ihr für weitere Mitglieder offen?

Wir sind offen für weitere Mitglieder, aber nicht für alle, d.h. keine Schnuggis, keine faschistoiden Emanzen, keine Faschos, keine Ultra – Ökos, keine Hardcore – Spirituellen. Für Millionäre mit Charme, KFZ-Mechaniker und andere Handwerker sind wir offen.

10.) Was sind Kriterien für die Mitgliedschaft bei euch (sofern ihr welche habt)?

(Schon beantwortet.)

11.) Habt ihr Beziehungen zu anderen Gemeinschaften, und welcher Art sind diese?

Wir besuchen die schon, aber kein Schwein ruft uns an.
(*****)

12.) Habt ihr als Gemeinschaft ein kollektives Selbstverständnis im Sinne einer „intentionalen Gemeinschaft“, sei es weltanschaulicher, spiritueller, politischer, philosophischer natur?

Wir sind politisch sehr links, pflegen offene Beziehungen. Wir nennen uns manchmal die „Hexen von Weinheim“ (aber offiziell „glauben wir nicht dran“). (*****)
„Es gibt nichts Schlimmeres als Scharlatanerie“ (O-Ton A.)

13.) Wird dieses Selbstverständnis von allen Gemeinschaftsmitgliedern mitgetragen?

Mitgetragen: ja schon, eigentlich schon.

14.) Aus Vorgesprächen weiß ich, dass ihr Mehrfachbeziehungen praktiziert und auch bewusst kultiviert, was eine Besonderheit ist auch unter Gemeinschaften, die „freie Liebe“ propagieren. Wie hat sich diese kulturelle Eigenschaft eurer Gemeinschaft entwickelt?

Mit Ach und Krach. Aus der Erkenntnis, dass der Mensch nicht für „lebenslängliche“ Zwangsehe (Wilhelm Reich) geschaffen ist und die Lust nicht auf einzelne Menschen beschränkt ist. Und weil es Spaß macht, sich zu verlieben. Außerdem entwickelte sich diese kulturelle Eigenschaft unserer Gemeinschaft, weil wir uns der Doppelmoral des kapitalistischen Systems entgegen werfen.

15.) Mehrfachbeziehungen werden zwar unter der Bezeichnung „Polyamory“ von zahlreichen Gruppen unter den internationalen intentionalen Gemeinschaften propagiert, sie sind aber erfahrungsgemäß erst einmal schwer zu handhaben. Könnt ihr das bestätigen?

Ja, genauso wie Zweierbeziehungen.
„Nur gibt es weniger Tote, aber mehr Spaß“. (*****)

16.) Gibt es nach eurer Erfahrung Grundregeln, die es ermöglichen, dass Mehrfachbeziehungen stabil sind und sich – im Sinne von Charles Fourier – zu „Quellen hochherziger Freundschaften“ entwickeln?

Alles offen legen, Wahrheit auf den Tisch knallen. Konfliktbereitschaft.
„Die Lust ist heilig“.
(Jemand wirft ein: „Ich finde den Spruch komisch, da er ein Tabu beinhaltet. Ohne Tabu ja“)

Immer wieder alles hinterfragen und nach Lösungen suchen, die auf die Situation passen. Solidarität und Freundschaft.
In Krisensituationen kommen wir immer wieder zum Fazit: „Wir sind die Besten“. (*****)

17.) Wie ist das Verhältnis der Generationen untereinander in eurer Gemeinschaft?

Es existieren Beziehungen über alle Generationen hinweg.

18.) Habt ihr als Gemeinschaft Zukunftspläne, und wenn ja, welche?

Ein ganz ganz großes Haus, oder mehrere Häuser. Ausbreitung unseres Lebensmodells, am besten ein ganzer Ort (oder Stadt). Wir möchten gern andere infizieren mit unseren Ideen. Mehr internationale Kontakte.
(„Gilt nicht für mich“ warf jemand ein)
Weiterentwicklung der Ideen durch die jüngere Generation, da diese eine ganz andere Basis schon hat.



(Selbstgewähltes Portrait der Kommune W)

Anmerkungen

(*) Nach meiner Beobachtung ging die Bildung der Gemeinschaft von zwei miteinander verbundenen Paaren aus, A, K, C und R. Ich kenne A und K seit 26 Jahren (1982) und weiß, dass sie schon immer die Bildung einer Gemeinschaft zum Ziel hatten.

(**) Hinzu kommt ein Dunstkreis von Freunden und Interessenten, die sich gern der Gemeinschaft anschließen würden, was aber das derzeitige Wohnhaus nicht zulässt.

(***) Es handelt sich um mindestens eine IT – Firma in der Rechtsform einer GmbH, sowie andere Aktivitäten wie Hausaufgabenhilfe etc.

(****) Spielt darauf an, dass in dem bewohnten Haus der Wohnraum allmählich knapp wird.

(*****) Ironie

(+) Die Methode „Heißer Stuhl“, die in manchen „Psycho“ – Kreisen praktiziert wird, basiert darauf, dass sich eine Person auf einen Stuhl in die Mitte setzt und alle anderen offen über diese Person reden, als ob sie nicht da wäre. Die betroffene Person selbst muß schweigen.

Mittwoch, 26. März 2008

Projekt Grünes Haus Zunsweier

Liebe Leser, ich möchte Ihnen heute das Projekt Grünes Haus Zunsweier vorstellen. Mit dem Initiator und Gründer des Projektes, miScha, bin ich seit einigen Jahren befreundet. Das Grüne Haus gehört zum nemetischen Netzwerk.
Das Projekt ist für weitere Mitbewohner und auch Gäste und Besucher offen.

----------------------------------------------------

Wie lange besteht dein Projekt schon?

Seit 2005.

Was bedeutet der Name „Grünes Haus“? Es ist ja (noch) nicht grün.

Grün verweist auf die sprießende Vielfalt des Lebens. „Grau, Freund, ist alle Theorie, doch grün des Lebens goldener Baum“ (Goethe).

Wie bist du zu dem Haus gekommen?

Durch Erbschaft von meinem Großvater, den ich bis zum Alter von 97 Jahren gepflegt habe.

Wer bewohnt derzeit das Haus?

Ich selbst, dann Govinda, mein Vater und die Miez (eine Katze). Zusätzlich gibt es einige Menschen, die im Haus verkehren und sich mehr oder weniger hier heimisch fühlen. Die letzten Jahre wohnten zeitweise überdies noch andere Menschen im Haus.

Suchst du Mitbewohner, und welchen Platz hat das Grüne Haus?

Ja, wir suchen Mitbewohner. Platz ist für 6 – 8 feste Bewohner. Ich wünsche mir zusätzlich eine ebenso große Anzahl Menschen, die sich hier zuhause fühlen, obwohl sie woanders wohnen.

Was sind die Ziele deines Projektes?

Ich habe den Aufbau eines „Paradiesgartens“ im Sinn, in dem Menschen zu ihrer wahren Natur zurückfinden und diese hier leben können.

Was bedeutet „Paradiesgarten“?

Ein sehr vielfältiger großer Lebensraum. Es handelt sich um die Gestaltung des vorhandenen großen Gartens. Ich nenne Stichworte: Waldlichtung, Hexenzaun, Dickicht, Feenhalle, Kletterbaum, Baumhaus, nackt ums Feuer tanzen, Gartenteich (auch zum Plantschen), Höhle, Sauna, Scheune, Barfußweg, Moos, versteckte Lauben, Grüne Dachterassen, wuchernde Wildnis, Kirschenfest, Acker mit Eremitenhütte, und und und.

Was ist deiner Ansicht nach die wahre Natur des Menschen?

Unsere wahre Natur ist Freiheit. Mir fällt ein Satz von Rumi ein: „Jenseits unserer Vorstellungen von richtig und falsch gibt es einen Ort. Dort begegnen wir uns (wirklich)“. Unsere wahre Natur liegt demnach jenseits unseres begrifflichen Verstehens und unserer Konzepte.

Was ist dein spiritueller Hintergrund?

Ich bin Sannyassin in zweiter Generation und war in Poona. Sannyas ist für mich eine Erfahrung des alles Loslassens, des Vonsichwerfens, der Befreiung. Das heißt im Grunde, den ganzen Krempel nehmen und wegwerfen.

Welchen Krempel?

Den ganzen Ballast, den wir mit uns tragen, im Kopf, emotional, die ganzen Blockaden.

Was sind deine zentralen Anliegen mit deinem Projekt? Was für Menschen suchst du zur Teilnahme an dem Projekt Grünes Haus?

Zentral ist für mich der Aufbau einer intimen Lebens- und Liebesgemeinschaft.

Was bedeutet für dich Intimität?


Intimität bedeutet im ursprünglichen Wortsinn angstfrei. Das beinhaltet für mich Bejahung von Körperlichkeit und Sinnlichkeit ohne Scheu, ist aber nicht auf diese beschränkt. Lebens- und Liebesgemeinschaft bedeutet für mich, das ganze Leben in allen seinen Aspekten miteinander zu teilen.

Worin siehst du die Voraussetzung für die von dir genannte Intimität?

Als wichtig erlebe ich, frei zu werden von Wertungen, bzw einen liebevollen Raum aufzubauen, der frei ist von Wertungen und Verurteilungen und in dem jeder sich so zeigen kann, wie er oder sie ist.

Welche Erfahrungen hast du bis jetzt damit gemacht, einen solchen intimen Raum aufzubauen? Das scheint mir ja nicht so ganz einfach zu sein, was du dir da wünscht.

Es waren sehr vielfältige und unterschiedliche Erfahrungen. Ich würde diese Erfahrungen ungern in gute und schlechte unterteilen, weil das schon wieder eine Wertung darstellen würde. Ich habe viel gelebt und gelernt und bin bereit, in eine neue Phase einzutreten.

Was waren deine wichtigsten Lernprozesse?

Ich habe anfänglich allen Energien und Impulsen aller Beteiligten freien Raum gelassen.
Der wichtigste Lernprozess für mich war der, dass in einem ungeregelten, ungeleiteten, unbewußten, völlig freien Raum sich vorrangig unsere gesellschaftlich- kulturellen und persönlich - biographischen Muster und Ego – Strukturen manifestieren.

Was für Konsequenzen hast du daraus gezogen? Worin müsste eine Regelung bzw eine Leitung bestehen?

Ich vertrete aber weiterhin ein offenes Leitungskonzept, in dem es nicht „den einen Chef“ gibt, der über andere Macht ausübt, sondern wo alle Beteiligten gemeinsam in Bewusstheit dessen was sie tun „leiten“, statt alles nur im freien Fall trudeln zu lassen.

Wünscht du dir weitere Sannyassin als Mitbewohner?

Durchaus, ich bin aber auch offen für Vertreter aller spirituellen Richtungen, da alle Spiritualität sich auf die gleiche Quelle bezieht.

Gilt das auch für Atheisten?

Buddha war Atheist. Er wurde an einem Tag gefragt: „Gibt es einen Gott?“, und zwar von drei verschiedenen Menschen.
Dem ersten antwortete er: „Ja, es gibt einen Gott“.
Dem zweiten antwortete er: „Nein, es gibt keinen Gott“
Und als Antwort auf den dritten schloß er die Augen und meditierte mit ihm in Stille.

Du hast unter anderem das Stichwort Schamanismus in den Vorgesprächen genannt. Was meinst du damit?


Ich verstehe mich auch als Schamane in Hinblick auf das Feiern des gesamten Lebens in allen seinen Aspekten, u.a. durch zeremonielle Gestaltung von Jahreskreisfesten. Da hab ich übrigens viel von Dir gelernt, wofür ich sehr dankbar bin.

Du hast mir gegenüber die Notwendigkeit neuer soziale Formen betont? Was hast du damit genau im Auge?

Das klassische Überlebensmodell der Menschheit ist stets die kooperative Gruppe gewesen, der Klan, die Sippe, die Großfamilie. Diese Formen sind letztlich zerbröselt unter dem Einfluß der Industrialisierung. Stichworte: Versingelung, Kleinfamilie bedeutet heute schon fast nur noch alleinerziehende Mutter mit Kind, Ehescheidung neuerdings auch online unter www.ehe-scheidung-online.de.
Die Situation des heutigen Menschen ist seine Versingelung als Einzelindividuum und seine Einbindung in unüberschaubare riesige „Gemeinwesen“ (Krankenkasse, EU, globale Strukturen), in denen seine Stimme nicht gehört wird.
In dieser Kluft zwischen vereinzeltem Individuum und Megastruktur wachsen neue soziale Formen. Es handelt sich um selbst gewählte Gemeinschaften, die klein genug sind, um überschaubar zu sein, und doch groß genug, um energetisch vollständig zu sein und die damit stark genug sind, den einzelnen bei der Bewältigung des Alltags zu begleiten und bei Krisen helfen zu können.
An solchen neuen Formen wird inzwischen selbst in der Mainstreamkultur vielfältig experimentiert: Mehrgenerationenhäuser, Alten – WGs, Tauschringe, Regiogeld, Autofreie Siedlung Köln, Artabana. Da sind nicht mehr nur „linke Spinner“ am Werk, das interessiert heute schon „Otto Normalverbraucher“.

Ich sehe das Haus als Hausgemeinschaft in seiner Größe überschaubar und heimelig. Die Einbindung in das nemetische Gemeinschaftsnetzwerk bringt Größe und Stärke der energetisch vollständigen Struktur.

Was meinst du mit energetisch vollständig?

Als energetisch vollständig bezeichne ich einen Lebensraum, der alle Lebenssituationen und –erfahrungen beinhaltet, ermöglicht und trägt.
Ein solcher Raum beinhaltet alte und junge Menschen, Männer und Frauen, Schlaue und Dumme, Dicke, Dünne, Handwerker, geistig rege Menschen, Tiere aller Art, Bäume, Gemüsegärten und ist geeignet, vielfältige Lebenserfahrungen aller Art darin zu machen und letztlich jede Lebenserfahrung und Lebensphase zu beinhalten und auffangen zu können. Sei es Geburt, Tod, Eheschließung, Krankheit, Pflege, Ausbildung, Lernen, Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit oder was auch immer jedem einzelnen von uns geschehen mag.
Letztlich ist ein solcher Raum ein Heilungsbiotop.

Die klassische Großfamilie leistete das durch die Einbindung in die Dorfgemeinschaft.
Die neuen Formen (Hausgemeinschaften, neue Stämme) leisten das durch Einbindung ins Netzwerk.
Unsere Gemeinschaft soll aber nicht eine Neuauflage der Großfamilie werden, sondern unterscheidet sich in wesentlichen Aspekten von den alten Formen: patriarchalisch-hierarchische Strukturen damals, Entscheidungsfindung durch Konsensbildung heute z.B..
Freiwilligkeit und Einsicht in Notwendigkeit statt Machtausübung ist mir ein wichtiges Anliegen, auf das ich durch dich und den NHZ – Artikel ……. gekommen bin.

Vielen Dank, miScha, für das Interview.

Wer mit Mischa und dem Projekt Grünes Haus Zunsweier Kontakt aufnehmen möchte, der sende eine Mail an spenglergaessle [at] gmx.de.
Webseite des Projektes: http://www.die-kleine-prinzessin.de

Nemetische Heimatzeitung

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